Home-Treatment in der Wiener Kinder- und Jugendpsychiatrie

Wien startet Vorreiter-Projekt zur psychosozialen Versorgung von Kindern und Jugendlichen: Das Home-Treatment.

Die anhaltenden psychosozialen Folgen der Corona-Krise machen österreichweit besonders deutlich, welche besondere Bedeutung der zielgerichtete Ausbau von kinder- und jugendpsychiatrischen Angeboten hat. Bereits vor der Pandemie wurde in diesem wichtigen Feld der Mangel an fachärztlicher Versorgung im niedergelassenen Bereich für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen deutlich. Gleichzeitig stellen stationäre Behandlungen und dazu gehörende Wartezeiten insbesondere für junge Menschen in manchen Fällen zu hochschwellige Angebote dar, die sie aus ihrem direkten Umfeld reißen und dadurch wiederum negative Auswirkungen haben können. Mit dem klaren Ziel, die bestmögliche Betreuung für Kinder und Jugendliche in ihrem Familien- und Betreuungsumfeld zu garantieren, startet die Stadt Wien vor diesem Hintergrund ein neues Vorreiter-Projekt: Das Home-Treatment.

Ab 1. März 2021 wird damit ein aufsuchendes Angebot geschaffen, das junge Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Familien in ihrem alltäglichen Lebensumfeld – bei sich zu Hause – begleitet und dabei eine vergleichbare Intensität, wie eine stationäre oder tagesklinische Behandlung bietet. Durch die Arbeit vor Ort wird der Lebensalltag der Kinder und Jugendlichen aber in die Behandlung miteinbezogen und es kommt zu keinen Abbrüchen von wichtigen sozialen Beziehungen in Familie, Schule oder Betreuungsumfeld.

Das Home-Treatment durch multiprofessionelle Teams stellt außerdem eine massive Ausweitung der Versorgung im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich in Wien dar. Mit diesem Vorreiter-Projekt der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (MedUni Wien/AKH) und der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD) kommt es nicht nur zur Entlastung von stationären Angeboten, sondern es eröffnet sich auch die Möglichkeit schnell und ohne Wartezeiten auf entstehende Krisen und Notsituationen zu reagieren.

Auf Basis des individuellen Bedarfs werden, wenn nötig, nahtlose Übergänge zwischen verschiedenen Behandlungsformen geschaffen. Die Teams des Home-Treatments stellen dabei die Schnittstelle zwischen stationärem und ambulanten Bereich, sowie auch niedergelassenen Versorgungsstrukturen dar. Im Rahmen des Psychiatrischen und Psychosomatischen Versorgungsplans der Stadt Wien (PPV) wird auf diesem Weg die Kontinuität der Betreuung mit dem Ziel, die beste und sicherste Betreuung für Kinder und Jugendliche in psychosozialen Notlagen zu erreichen, gewährleistet.

Zentrale Informationen zum Home-Treatment:
Das Vorreiter-Projekt des Home-Treatments wird gemeinsam von den Psychosozialen Diensten der Stadt Wien (PSD) und der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (MedUni Wien/AKH) getragen. Es startet am 1. März 2021 und ist auf zwei Jahre angesetzt.

  • Zwei multi-professionelle Teams des Home-Treatments sind im Projektzeitraum tätig.
  • Kinder und Jugendliche werden dabei im Rahmen ihrer Familien für einen längeren Behandlungszeitraum (3 bis 6 Monate) in ihrem direkten Lebensumfeld betreut.
  • Entsprechend dem Standard der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind die Home-Treatment-Teams multidisziplinär aufgebaut, setzen sich aus ExpertInnen verschiedenster Bereiche zusammen und bieten damit wichtige Therapievielfalt.
  • Insgesamt sind 11 ExpertInnen aus unterschiedlichen Berufsgruppen im Rahmen der Home-Treatment Teams im Einsatz.
  • Im Rahmen des PPV bietet das Home-Treatment Versorgungskontinuität und bildet eine Schnittstelle zur stationären und ambulanten Versorgung, sowie zu niedergelassenen Versorgungsstrukturen. Organisiert werden im Anlassfall optimale
  • Übergänge zwischen verschiedenen Behandlungs-Settings – im Fall akuter krisenhafter Verläufe sind damit rasche Interventionsmöglichkeiten garantiert.
  • Im Zuge der Pilot-Phase greift das Home-Treatment sowohl auf bestehende Ressourcen als auch auf neu geschaffene Stellen zurück. Das Ziel ist die individualisierte Anpassung therapeutischer Maßnahmen für die jeweilige Lebenssituation der jungen PatientInnen.
  • Im Zuge der zweijährigen Pilotphase soll das Home-Treatment mindestens 50 Wiener Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Familien betreuen.