Zwangsstörung

Kennzeichen einer krankhaften Zwangsstörung ist der Drang, bestimmte Dinge zu denken (Zwangsgedanken) oder zu tun (Zwangshandlung), ohne dass sie aus eigenem Willen gestoppt werden können.
fixierender Blick

Zwangsstörungen gelten dann als psychische Erkrankungen, wenn sie mindestens zwei Wochen lang an den meisten Tagen bestehen und es den Betroffenen nicht gelingt, sie zu ignorieren oder zu unterdrücken, obwohl sie als sinnlos und quälend empfunden werden.
In der Mehrheit der Fälle setzt sich das Krankheitsbild aus Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen zusammen, oft sogar aus beidem.

Zwangsgedanken umfassen andauerndes Grübeln, Aufdrängen von bestimmten Vorstellungen, Erinnerungen oder Befürchtungen, die immer wieder gedacht werden müssen. Die Gedankeninhalte können u. a. obszöner, aggressiver oder religiöser Natur sein, die die Kranken dann zusätzlich schuldhaft verarbeiten.
Eine Zwangshandlung besteht in einem unwiderstehlichen Drang, eine bestimmte Handlung zum wiederholten Mal auszuführen. Am häufigsten kommen der Wasch-, Kontroll-, Sammel- und Zählzwang vor, auch zwanghaftes Ordnen und Kaufen.
Das zwanghafte Verhalten dient den Kranken zur Abwehr von Ängsten. Unterlassen sie es, kommt es zu unerträglicher Unruhe und Anspannung.

Die Erkrankung beeinträchtigt den normalen Tagesablauf der Betroffenen erheblich. Die Folgen zeigen sich auch in Partnerschaft und Familie und belasten schließlich den Berufsalltag, da sie oft den ganzen Tag ausfüllen und viel Kraft kosten.
Männer und Frauen erkranken gleich oft, wobei der Krankheitsbeginn in der Kindheit und im frühen Erwachsenenalter liegt. Die Kranken leiden häufig viele Jahre unerkannt bis sie zur Behandlung kommen.

Die Behandlung wird psychotherapeutisch (Verhaltenstherapie) durchgeführt, zeigt sich keine ausreichende Besserung, wird eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen.
Im Hinblick auf die Entstehung der Erkrankung werden neben der psychoanalytischen Auffassung (Missbilligung sexueller Regungen) Zwänge auch als erlerntes Verhalten angesehen. Es gibt auch Hinweise, dass überstrenge Erziehung und Ordnung sowie Störungen in bestimmten Hirnregionen und das Zusammenspiel bestimmter Botenstoffe im Gehirn eine Krankheitsentstehung bedingen.